Einen Selbstversuch…

… haben Bio, Bea und ich letzte Woche Freitag unternommen. So reisten wir mutig nach Bielefeld. Macht euch das bewusst: nach Bielefeld, die Stadt wo gar nicht gibt. Und nun will ich euch von unserer wundersamen Reise nach Bielefeld berichten…

Schon auf der Hinreise, haben unbekannte Kräfte versucht, uns aufzuhalten. Je weiter wir uns dem schwarzen Fleck auf der Landkarte näherten, desto größeres Verkehrschaos erwartete uns. Und auch die Wetterfee versuchte uns zu stoppen, indem sie lauthals Schneefall verkündete. Doch mutig wie wir waren, konnte uns das nicht aufhalten. Schließlich hatten wir einen Auftrag. Nein, was rede ich, wir hatten eine Mission. Die Mission Bios/Beas verschollenen Ex-Kommilitonen Nils wiederzufinden und aus dem DIMENSIONSLOCH zu retten. Dieser hatte eigentlich das Masterstudium mit ihnen in Duisburg begonnen und war dann von einem Tag auf den anderen, wie vom Erdboden verschluckt. Für die seit über einem Jahr andauernde Spurensuche war Bea schon wahrscheinlich schweren Herzens ;) nach Granada gereist. Leider erfolglos.

Jetzt verfolgten wir aber eine heiße Spur, die nach Bielefeld führte. Es sah nämlich so aus, dass Bewohner des Dimensionslochs Bielefeld Nils versklavt und ihn so dazu gezwungen hatten an der Produktion des Films Serengeti life bootleg mitzuarbeiten. Dieser Film sollte nun in einem Kino in Bielefeld uraufgeführt werden, danach wollten die gesichtslosen Bielefelder sich selbst feiern… Unser spontaner Plan war, uns als Gäste in die Premierenvorstellung einzuschleichen, um mit unserem Kartenkauf den Gesichtslosen einen finanziellen Überschuss zu bereiten, der sie wiederum zu hemmunglosem Alkoholkonsum veranlasst und somit zur Katerstimmung am nächsten Morgen… so dass wir Nils dann, ohne viel Aufsehen zu erregen, mit in das heilige Ruhrgebiet nehmen könnten. Soweit der Plan.

So kamen wir also bald etwas erschöpft, bewaffnet mit energiebringender Dosensuppe und aufputschender Musik, auf Beas rotem Ross geritten wirklich in Bielefeld an. Zuerst suchten wir uns ein Versteck, in dem das rote Ross nicht groß auffallen würde. Das Villenviertel von Bielefeld am Johannistal schien uns gerade gut genug.

Dann wanderten wir in die Innenstadt und sondierten die Gesichtslosen im Kino. Sie verstanden es wirklich gut, ihre Sklaven unauffällig zu halten. Nils schien zwar etwas abwesend, aber irgendwie auch glücklich. Hatten sie ihn einer Gehirnwäsche unterzogen?

Wir kundschafteten noch die Umgebung um das Kino aus. Für den Notfall suchten wir nach Nischenplätzen, die kein Bielefelder kennt, die also nur Touristen zugänglich sind, weil diese über genügend Realitätssinn verfügen, um solche, eben nicht konstruierten, Plätze zu finden. Hier würden sie uns bestimmt nicht suchen. So einen Platz fanden wir denn auch schnell. Es war ein Bielefelder Brauhaus. Bodenständig, real. Dachten wir! Aber auch in diesem Brauhaus spürte man schon, wie es vom Dimensionsloch Bielefeld aufgesogen wurde. Als wir nach Schmalzbrot fragten, bot uns der Kellner statt dessen Tomaten-Ciabatta an. Vielleicht hatten sie Rambo als Koch eingestellt.

Zurück im Kino befanden wir uns dann schnell im gemütlichen Sessel. Dieser Sessel, das Bielefelder Bier… war Bielefeld vielleicht doch nicht so schlimm? Hinzu kam, dass der Dokumentarfilm über drei Protagonisten, die sich vorher nicht kannten und nun gemeinsam das Serengetifestival besuchten, durchaus gelungen war. Die Handlungen der drei Charaktere beanspruchten uns völlig. Langsam ging auch uns der Realitätssinn verloren. Der Film räumte dann mit meinem Vorurteil der gesichtslosen Bielefeldern auf. Hilti, der Bielefelder Charakter, hatte in dem Film schon ziemlich klare Konturen. Doch man merkte immer noch, dass er aus einem Dimensionsloch kam. Um mit der Realität des harten Festivalalltags umzugehen, entwickelte er schon beim Einkauf ganz andere Strategien als die anderen beiden Realos aus Berlin und Köln. So legte er für die nächsten Tage Kürbiskernbrot und viel Gemüse in den Einkaufswagen. Während die beiden anderen natürlich viel Bier, Wasser und Fleisch einpackten. Und noch etwas, waren Bielefelder wirklich böse Sklaventreiber? Hiltis Motto war, dass er den Menschen Freude bringen wolle (oder so ähnlich).

Doch so leicht ließen wir uns von unserer Mission, Nils zu retten, nicht abbringen. Schließlich sollte man die Bilder, die man sieht, ja auch mal kritisch hinterfragen. Das war ein Film, das war konstruiert. Nach dem Kino testeten wir deshalb erstmal den ausgeschenkten Sekt und später in der Kneipe das Bier, um herauszufinden, ob sie vielleicht Nils mit solchen Mitteln eingelullt hatten. In der Kneipe trafen wir dann noch auf einen anderen ehemaligen Kommilitonen. Patrick, alias DJ Jamboree, war auch schon in den Bann des Dimensionslochs Bielefeld geraten. Wir merkten aber im Laufe des Abends, dass für Patricks Rettung andere Geschütze aufgefahren werden müssen. Die Dimensionslosen hatten ihn völlig eingenommen. Er musste fast den ganzen Abend auflegen. Ihm blieb also keine Zeit, seine schwierige Lage mal in Ruhe zu reflektieren. Die einzige Möglichkeit, ihn da herauszuholen, ist wohl eine offizielle Einladung des Kommedia Fachschaftsrats, bei der nächsten Party als DJ aufzulegen.

So sackten auch wir mehr und mehr in das Dimensionsloch. Die Bielefelder verstanden es wirklich gut, die Versklavten zu nutzen, um dem Dimensionsloch den Realotouch einzuhauchen, den es braucht, um wiederum Externe in den Bann des Lochs zu ziehen. In diesem Fall war es die Musik von Patrick. Später, zurück beim roten Ross, kochten wir die nahrhafte Dosensuppe, um wieder einen klaren Verstand zu kriegen. Bis zum Morgenrot zitterten wir dann aber, um unseren Plan, Nils aus dem Dimensionsloch zu retten. Hinzu kam, dass die böse Wetterfee uns wirklich einen kalten Schneesturm brachte, und somit unsere klaren Gedanken auf Eis legte. Doch unser purer Idealismus, der Glaube an das Gute, lies uns dann gegen Morgengrauen endlich wenige Stunden Schlaf und Erholung finden. Wodurch wir nach dem Aufwachen dann auch wieder völlig klar waren.

Am nächsten Morgen war der Plan also wieder klar. Wir verabredeten uns mit Nils vor einer Buchhandlung, um danach, mit ihm und von einem Frühstück gestärkt, Bielefeld zu verlassen. Doch es hätte uns schon zu denken geben müssen, dass er so spät zum Treffpunkt kam, dass er uns später (wir gingen davon aus, dass er uns eine Abkürzung zum Auto zeigt) im Kreis herumführte und dann bemerkte, dass er doch hinter uns hergelaufen sei, dass er seine Tasche noch nicht mitgebracht hatte, die wir dann auch wieder mit viel Ablenkmanövern aus der Höhle der Dimensionslosen klauen mussten (Bio ging mutig mit hinein, unter dem Vorwand auf die Toilette zu müssen). Ja das alles hätte uns zu denken geben müssen… Gerüchten zu folge, ist er direkt einen Tag später, nachdem wir ihn sicher in Duisburg abgesetzt hatten, aus freien Stücken wieder nach Bielefeld gereist, um dort weiter zu studieren…

… Kann man dort studieren? Im Dimensionsloch? Wir glauben es jetzt doch, der tolle Film, den die Bielefelder Studenten produziert haben, das schlaue Gerede von ihrem Dozenten, die gute Studentenpartey, es spricht dafür. Vielleicht saugt nicht das Dimensionsloch Bielefeld die Realität auf. Vielleicht ist Bielefeld schon in der Realität angekommen. Vielleicht haben ehemalige Duisburger Studenten gute Entwicklungsarbeit geleistet. Vielleicht ist gerade diese Mischung zwischen mystischer Dimensionslosigkeit und Realität das Spannende an Bielefeld. Wir würden auf jeden Fall nochmal wieder kommen.

Eine Antwort zu “Einen Selbstversuch…”

  1. [...] Ausflug in diesem Jahr mit Bruno in Die Stadt Die Es Nicht Gibt. Wen`s interessiert, kann sich bei Bio und Kurti, die auch mit von der Partie waren, [...]

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