Wandel durch Kultur – Kultur durch Wandel – Ruhr.2010 Kulturhauptstadt Europas

Ha ha… dass ich nicht lache. Wie viel Arbeitsplätze ersetzt denn der Wandel durch Kultur? Kann unproduktives Gewerbe wirklich so vielen Menschen eine Zukunftsperspektive bieten?

Paradebeispiel Zeche Zollverein. Museum, Zentrum für Kreativwirtschaft – was ja direkt um die Ecke auch schon Düsseldorf und Köln sind – sowie Event Location. Wer soll denn an den ganzen Events teilnehmen, die es bald in allen Zechen gibt? Die Arbeitslosen, die nicht in der Kreativwirtschaft Fuß fassen? Dann sollte man bald in Massenproduktion den Kulturpass auch hier einführen (wenigstens ein neuer Auftrag, den die Kreativen pitchen können).

Also mal Spaß beiseite… den Strukturwandel kann man doch nicht nur mit Kreativwirtschaft beheben… das glaub ich einfach nicht… schon gar nicht auf der ganzen Welt… es setzen ja jetzt scheinbar alle auf die kreativen Köpfe: die Superhelden unserer Zeit sind chick gekleidet, gut frisiert, nicht unsportlich – aber auch nicht heldenhaft athletisch, denn sie sitzen viel am Schreibtisch und entwerfen gute Kampagnen, zwischendurch diskutieren sie im Besprechungsraum ďż˝ber Synergieeffekte. Am Abend schlürfen sie Sektchen, weil sie einen Auftrag öffentlicher Einrichtungen gepitcht haben. Ja sie machen gute Arbeit, aber sollen sie sich wirklich gegenseitig die Augen auspicken um die paar Aufträge?

Der neue Modebegriff sollte nicht ausschließlich Kreativwirtschaft sein, sondern Diversity, dieser Begriff schließt nämlich weiterhin auch die Produktivwirtschaft ein. Am besten produzieren “wir” im Ruhrgebiet etwas, das den Zahn der Zeit trifft. Daniel Cohn Bendit weist hier darauf hin, dass Europa öffentlichen Verkehr braucht, gerade Osteuropa. Warum können im Ruhrgebiet keine Straßenbahnen gebaut werden? Warum wechselt das Ruhrgebiet nicht lieber vom Energiegewerbe zum Energiegewerbe und forscht exzessiv im Bereich nachhaltige Energiegewinnung? Könnten nicht im Ruhrgebiet solche Windräder entwickelt und auch gebaut werden, die in den ganzen U-Bahnen den Wind zur Energiegewinnung nutzen?

Wenn schon Kultur, dann sollte eine Kultur der offenen Ideen für innovative Geschäftsentwürfe und der Zusammenarbeit im Ruhrgebiet etabliert werden. Aber von vorneherein Ideenreichtum einschränken, indem man nur auf ein Pferd setzt, naja…

… aber mal verschwörungstheoretisch gefragt: vielleicht will man das ja bewusst nicht. Es ist doch politisch sicherer viele kleine Privatinsolvenzen in Kauf zu nehmen, die fallen einzeln kaum ins Gewicht, als wenn vielleicht ein großer, neuer, gehypter Betrieb pleite geht. Das böte politischen Zündstoff. Das Risiko geht man besser nicht ein. Außerdem ist es immer ganz gut ein schwarzes Schaf zu haben, dann wissen die weißen Schafe wenigstens wie gut es ihnen geht. Vielleicht müssen wir uns jetzt auch einfach opfern, weil man ein paar wenigen der neuen Produktivbetriebe ermöglichen will ohne Konkurrenz den Markt zu erobern. Ups ich steiger mich grad richtig rein in die Verschwörungstheorie: wahrscheinlich IST schon alles verteilt an Thyssens und Krupps Erben ;) Nein… so schlimm wirds nicht sein, aber bitte… gebt den Kreativen auch die Chance coole Jobs zu pitchen und nicht nur steuerfinanzierte Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen!

Danke an Robert für die vielen Anregungen (Artikel/Diskussionen), die mich veranlasst haben, darüber kurz zu bloggen.

12 Antworten zu “Wandel durch Kultur – Kultur durch Wandel – Ruhr.2010 Kulturhauptstadt Europas”

  1. Robert sagt:

    Es ist in diesem Fall wirklich nicht einfach, Verschwörungstheorien zu widerstehen ;-)
    Warum wird immer noch auf Grenzziehungen aus der Preußenzeit beharrt, wo es Preußen schon seit etwa 150 Jahren nicht mehr gibt? Ich meine damit die Grenzen der Regierungsbezirke und Landschaftsverbände, die gehen alle quer durch’s Ruhrgebiet. Alle Parteien in NRW scheiterten bis jetzt mit dem Versuch, dies zu ändern. Warum? Wissen wir nicht. Sind es die Rheinländer, die Kölner und Düsseldorfer, die es verhindern, weil sie angst um ihre Ränge haben? Wird das sogar bundespolitisch gewollt? Falls ja, wieso?
    Andererseits kann man sich ja auch fragen, warum die Ruhries so leise in dieser Angelegenheit sind. Außerdem wurden etliche Innovationen in der Vergangenheit von den Ruhries selbst schlicht als Größenwahn abgetan. Man mag anscheinend das Bescheidene, Schlichte, zurückgezogen-kleinstädtisch Gemütliche, dieses Bild passt (leider?) zur Auffassung der Schicht des Kleinarbeiters, das gewissermaßen im Ruhrgebiet überproportional groß ist.
    Eigentlich schade, denn die Region hat ein Riesenpotential.

  2. Kurti sagt:

    Vielleicht sind wir Ruhries es durch die hierarchischen Arbeitsverhältnisse in den Industriebetrieben gewohnt, Entscheidungen mehr oder weniger “einfach” hinzunehmen? Wer weiß…

  3. Alex sagt:

    Tja, das mit der Verschwörungstheorie …. jeder halbwegs intelligente Mensch kommt da ja schon drauf… irgendwie muss da was dran sein .. ^^ Christoph hat mir gestern eine Beilage aus der SZ gegeben, in der es nur um Ruhr2010 ging. Dort wird auf S.38 (von 28 Seiten) auch auf die tollen Kultureinrichtungen “Zeche Karl”, “Bahnhof Langendreher” aufmerksam gemacht [...] und alles ganz “cool” dargestellt. Peinlich. Und, wie Robert sagt, schade, denn das Ruhrgebiet hat echt verdammt viel Potential, das sieht man ja alleine schon jedes Jahr in der “Nacht der Nächte….” Ruhrgebiet und trendy? Passt nicht zusammen…

  4. Alex sagt:

    von 38 Seiten, hab mich vertippt, so doof waren die dann doch nicht *g*

  5. admin sagt:

    (zitat Alex)Ruhrgebiet und trendy? Passt nicht zusammen… (/zitat)
    So meinte ich das eigentlich nicht. Auch das Ruhrgebiet ist vielfältig. Ich bin ja auch Exilruhrie und trendy… Aber versteh – glaub ich – was du meinst oder besorge mir den Artikel mal.

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